Der Bartgeier

© Ouest France  

 

Ein Bartgeier wurde 2020 mit Solar und GPS in der Drôme ausgewildert.

Dieser Greifvogel war am 14. Mai noch in den französischen Alpen präsent, bevor er am 22. Mai über Paris flog. 3 Tage später nach dem er Belgien durchquert hatte, kam er in den Niederlanden an und kollidierte am 26. Mai 2021 mit einem Windradflügel. 

 

 

Die Familie des Bartgeiers

 

 

Er gehört zur Familie der Accipitridae, die 69 Gattungen und 260 Arten von tagaktiven Greifvögeln umfasst. Allen gemeinsam sind:

  • Ein Geschlechtsdimorphismus, wobei das Männchen kleiner ist als das Weibchen;
  • ein binokulares Sehvermögen, das das Aufspüren von Beute erleichtert;
  • einen hakenförmigen und scharfen Schnabel, der zum Zerreißen von Fleisch dient;
  • Beine mit vier Zehen und gekrümmten, scharfen Krallen, die das Greifen von Beute erleichtern.

 

 

Das Gefieder des Bartgeiers

 

Der erwachsene Bartgeier zeichnet sich durch die orangefarbene Färbung seines Gefieders an Bauch, Hals und Kehle aus. Bei diesem Geier sind die Weibchen in der Regel farbenprächtiger als die Männchen. Diese Färbung entsteht durch Schlammbäder in eisenhaltigen Wasserquellen, die das Gefieder mit Eisenoxid anreichern und ihm diese rostrote Färbung verleihen. In Regionen ohne eisenhaltiges Wasser, wie auf Kreta oder Korsika, weisen Bartgeier tatsächlich eine weißliche Unterseite auf. Das übrige Gefieder ist cremeweiß und an den Schultern und Flügeln schiefergrau. Jede seiner Federn ist mit einem weißen Streifen verziert. Eine schwarze Maske umgibt seine Augen und verläuft entlang des Gehörgangs.

 

 

Bartgeier: großer europäischer Greifvogel

 

Seinen Namen verdankt der Vogel den schwarzen Federsträhnen unter seinem Schnabel, die einem Bart ähneln. Seine schmalen, spitzen Flügel und sein langer, keilförmiger Schwanz sind weitere charakteristische Merkmale des Bartgeiers. Seine strohfarbene Iris ist von einem roten Augenring umgeben. Das Tier zählt zu den größten europäischen Greifvögeln: Seine Größe liegt zwischen 1,10 m und 1,50 m und sein Gewicht zwischen 5 und 7 kg. Die Flügelspannweite variiert bei den größten Exemplaren zwischen 2,60 und 2,90 m.

Der Bartgeier kommt in Mittel- und Südeuropa, in Nordafrika, im Nahen Osten sowie in Kleinasien vom Iran bis nach China vor. In Bayern wurden vor einigen Jahre einige Jungvögel ausgewildert. In Frankreich ist der Bartgeier in den Bergregionen der Pyrenäen und WestAlpen – in Höhenlagen zwischen 700 und 2.300 m anzutreffen. Der Vogel nistet bevorzugt in Felsen und Felswänden innerhalb eines weitläufigen Reviers, das sich über mehr als 50.000 Hektar erstrecken kann. Neben felsigen Abgründen sucht der Greifvogel große Weideflächen auf, um seine Nahrung zu finden. Dieser standorttreue Vogel lebt das ganze Jahr über in den Bergen und verlässt seinen Lebensraum nur bei großer Kälte oder Nahrungsknappheit. Da er jeden Winkel seines Reviers kennt, durchstreift der Bartgeier es täglich auf der Suche nach Nahrung und nutzt dabei die Thermik, um Flügelschläge zu sparen.

 

 

Der Bartgeier, ein Knochenbrecher

 

Der Bartgeier ernährt sich hauptsächlich von großen Knochen (von Schafs-, Ziegen- und wildlebenden Huftierkadavern wie Gämsen und deren Knochenmark. Dank seiner elastischen Speiseröhre ist der Raubvogel in der Lage, ganze Stücke (von 20 bis 25 cm) zu verschlingen und diese mit seinen Verdauungssäften aufzulösen. Ist das Skelett wirklich zu massiv, wendet der Vogel eine sehr effektive Methode an: Er packt den Knochen mit den Krallen, hebt ihn in die Luft und lässt ihn in einer Höhe von 50 bis 100 Metern an einen üblichen Ort, fallen. Der Bartgeier kann diesen Vorgang mehrmals wiederholen, bis die Knochen die richtige Größe zum Verschlingen haben. In Zeiten der Nahrungsknappheit kann er auch lebende Beute erbeuten: kleine Säugetiere, Nagetiere, Vögel oder Reptilien.

 

 

Bartgeier: ein treues Paar

 

Der Bartgeier erreicht die Geschlechtsreife im Alter von 7 oder 8 Jahren. Der treue Raubvogel lebt in der Regel in Paaren, die er gegen das Eindringen von Artgenossen verteidigt. Die beiden Partner suchen bereits ab Oktober–November einen Nistplatz und bauen ihr Nest in Spalten unzugänglicher Felsen, die vor Witterungseinflüssen geschützt sind. Als Baumaterial dienen verschiedene Materialien: Zweige, Äste und Gräser für die Struktur sowie Schafwolle, Ziegenhaar, Fell und Hautstücke zur Auskleidung des Nestbodens. Die Eiablage erfolgt je nach Standort zwischen Ende Dezember und Anfang März. Nach einer Brutzeit von 53 bis 60 Tagen legt das Weibchen im Abstand von 4 bis 5 Tagen ein oder zwei Eier. In der Regel stirbt das schwächere Küken, sodass nur das widerstandsfähigere Jungtier übrig bleibt. Der Überlebende wird mit Beute und Knochen gefüttert und verlässt das Nest nach 4 Monaten, ist jedoch noch weitere 7 Monate bis zu einem Jahr auf die Fütterung durch seine Eltern angewiesen.

 

 

Erhaltung des Bartgeiers

 

Weltweit wird der Bartgeier auf der Roten Liste der Internationalen Union für Naturschutz (IUCN) als „gering gefährdet“ eingestuft. Auf dem französischen Festland gilt die Art auf der Roten Liste der Brutvögel als „gefährdet“. Auf europäischer und mediterraner Ebene befindet sich der Raubvogel weiterhin in einem prekären Erhaltungszustand. Dank Wiederansiedlungsprogrammen ist die Bestandsentwicklung in den Alpen und Pyrenäen jedoch wieder positiv. Nahrungsmangel, Jagd, Bleivergiftungen durch Jagdmunition, sowie Kollisionen mit Strommasten oder Seilbahnmasten stellen die größten Bedrohungen für den Bartgeier dar. Seine Lebenserwartung beträgt 30 bis 35 Jahre, in Gefangenschaft bis zu 45 Jahre.

 

 

Auf dieser Karte erkennen wir, an welchem Datum im Sommer 2026 ein Bartgeier in den WestAlpen gesichtet wurde. 

 

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© Drohnenaufnahmen by Jan Hendrik Reimann und Fotos by Bernd Reimann 2026. Verbreitung und Vervielfältigung nur mit Genehmigung möglich. Distribution et duplication uniquement avec autorisation.