Die Amsel ist in unseren Gärten, egal ob in der Stadt oder auf dem Land, sehr häufig anzutreffen und verzaubert uns mit ihrem melodiösen Gesang. Dieser schöne Sperlingsvogel, der an seinem dunklen Gefieder und seinem gelben Schnabel (zumindest beim Männchen) zu erkennen ist, ist keineswegs schädlich, sondern ein Verbündeter der Gärtner. Denn auch wenn er sich an Sommerfrüchten labt, befreit er Obstgärten, Ziergärten und Gemüsegärten von zahlreichen unerwünschten Weichtieren und Insekten. Werfen wir einen Blick auf diesen schwarz gekleideten und ziemlich frechen Vogel.

 

 

Die Amsel

 schöner Vogel

unserer Städte und Landschaften

 

 

 

 

Wer ist die Amsel?

 

Die Amsel/Turdus merula ist ein Vogel aus der Familie der Turdidae, zu der auch Drosseln und Einsiedler gehören. Turdidae sind mittelgroße bis große Vögel, die in der Regel einen ziemlich langen und kräftigen Schnabel und robuste Beine haben. Sie ernähren sich von Insekten und Früchten.

In Europa lebt die Turdus merula Art der Amsel, d. h. Turdus merula umfasst je nach geografischer Verbreitung

15 Unterarten.

 

Hier sind einige davon:

  • Turdus merula merula/Europa
  • Turdus merula azorensis/Azoren
  • Turdus merula cabrerae/Kanarische Inseln und Madeira
  • Turdus merula aterrimus/Südosteuropa
  • Turdus merula mauretanicus/Nord Afrika und Mittelmeer
  • Turdus merula syriacus/Naher Osten
  • Turdus merula intermedius/Sibirien und Zentralasien

 

Wie erkennt man die Amsel?

 

Die Amsel ist 24 bis 25 cm lang, davon 9 bis 11 cm Schwanz, hat eine Flügelspannweite von 36 cm und wiegt im Sommer 85 g und im Winter 110 g.

 

Die Amsel weist einen recht ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus auf:

  • Das erwachsene Männchen hat dunkelbraune Beine und ein schwarzes Gefieder am ganzen Körper, am Hals und am Kopf. Seine Augen sind von einem Augenring umrandet, der gelb-orange oder leuchtend gelb sein kann. Sein Schnabel hebt sich deutlich von seinem schwarzen Gefieder ab, da er leuchtend gelb-orange ist. Die Lebhaftigkeit der Farben des Augenrings, des Schnabels und des Gefieders kann einen Hinweis auf die Qualität des Lebensraums dieses Sperlings geben, aber auch auf seine Fortpflanzungsfähigkeit und ganz allgemein auf seine körperliche Verfassung.
  • Das Weibchen oder die erwachsene Amsel hat je nach Individuum mehr oder weniger schwarz gefärbte rotbraune Federn am ganzen Körper, mit Ausnahme der gesprenkelten Kehle und der hellbraunen Brust. Die Amsel hat einen sehr blassen braunen Augenring. Ihr Schnabel ist weniger glänzend als der des Männchens, in der Regel braun und manchmal mit einem kleinen gelblichen Bereich verziert.
  • Die Jungvögel haben ein mehr oder weniger dunkles, oft gesprenkeltes Gefieder, das dem der Mutter ähnlicher ist, und ihr Augenring ist kaum sichtbar. Die Farbtöne der Federn sind von Jungvogel zu Jungvogel sehr unterschiedlich, und zwischen August und Oktober findet die erste Mauser statt, bei der jedes Küken sein Jugendgefieder verliert. Die dunkleren sind in der Regel Männchen. Ihr Schnabel nimmt seine endgültige gelbe Farbe erst an, wenn der Sperlingsvogel ein Jahr alt ist, ebenso wie die tiefschwarze Farbe des Gefieders. Es ist daher relativ einfach, Jungvögel von ausgewachsenen Vögeln zu unterscheiden.

Ist die Amsel immer schwarz?

 

Manchmal treten bei Amseln Anomalien in Bezug auf die Farbe des Gefieders auf. Dieses Phänomen ist zwar selten, kommt aber häufiger vor als bei anderen Vogelarten. So gibt es weiße Amseln, die ganz oder teilweise entfärbt sind. Erklärungen:

 

  • Bei Albinismus werden Amseln aufgrund einer genetischen Mutation, die die Synthese des schwarzen Pigments (Melanin) verhindert, vollständig weiß geboren und bleiben ihr Leben lang weiß.
  • Eine weitere Ursache für Pigmentmangel ist Leukismus. Bei der Geburt weist die Amsel weiße Flecken auf, die oft auf die Flügelspitzen, die Beine oder den Hals und Kopf beschränkt sind. Fälle von Leukismus sind bei dieser Art häufig, wahrscheinlich aufgrund von Inzucht in bestimmten Populationen (z. B. in städtischen Gebieten).
  • Der Drosselvogel kann auch von Schizochromie (oder Schizochromismus) betroffen sein. Diese genetische Abweichung äußert sich durch das Fehlen eines der beiden Melanine (Eumelanin oder Pheomelanin) im äußeren Gewebe des Tieres (Federn) führt.
  • Die Canitis – in der Regel altersbedingt – verursacht eine Verringerung der Aktivität der Melanozyten, also der Zellen, die die Pigmente der Haut und der Hautanhangsgebilde (Federn und Krallen bei Vögeln) produzieren.
  • Schließlich sind Pigmentierungsanomalien bei der Amsel manchmal auf Vitaminmangel oder einfach auf das Altern zurückzuführen.

 

Wo ist ihr Verbreitungsgebiet?

 

Die Drosselart kommt von Azoren, Madeira, Kanarische Inseln, Europa bis zur Wolga im Osten vor. Im Norden erstreckt sich ihr Verbreitungsgebiet bis zur mittleren Höhe Skandinaviens und im Süden bis Nord Afrika, Kleinasien, dem Kaukasus und dem Norden des Iran. Die Amsel wurde auch in Neuseeland und Australien eingeführt. Je nach geografischem Gebiet, in dem sie lebt, ist die Drossel wandernd oder sesshaft, wie dies bei den französischen Populationen der Fall ist. Nur die nördlichsten (Skandinavien) und östlichsten (ab Polen) kontinentalen Vögel unternehmen große Wanderungen, die sie in den Süden ihres Verbreitungsgebiets führen.

 

Was ist der Lebensraum der Amsel?

 

Die Amsel ist eine Waldart, die aufgrund ihrer ökologischen Plastizität praktisch alle baumbestandenen Lebensräume besiedeln kann, von tiefen Wäldern bis hin zu den Zentren großer Städte. Die Leichtigkeit, mit der sie anthropogene Lebensräume besiedelt, deutet darauf hin, dass die Amsel von Anfang an eine Art der Waldränder und Ökotone (mehr als des tiefen Hochwaldes) war. Der Sperlingsvogel zeigt eine Vorliebe für Laubwälder, hält sich aber auch in Mischwäldern und bis zu einem gewissen Grad in Nadelbaumformationen auf. In letzteren, sowohl in den Bergen als auch in hohen Breitengraden, weicht die Amsel einer vicarianten Art, der Halsbanddrossel (Turdus torquatus), einem Zugvogel, der besser an extreme Bedingungen angepasst ist und mit dem sie auf einem schmalen Streifen zusammenlebt, ohne sich jedoch mit ihr zu kreuzen. Die Amsel ernährt sich hauptsächlich am Boden und baut ihr Nest in Gehölzen.

 

Was frisst die Amsel?

 

Die Amsel ist eine allesfressende Art, deren Speiseplan sich nach den Jahreszeiten richtet, wobei der Vogel während der Brutzeit von April bis Juni eher fleischfressend ist. Wenn der Boden feucht ist, liebt sie Regenwürmer und verschmäht auch Schnecken und Nacktschnecken nicht. Der Turdidae frisst auch zahlreiche Insekten und deren Larven, insbesondere Lepidopteren/Raupen sowie Spinnen. Die Amsel ist sehr gierig nach wilden Beeren wie Brombeeren, Holunder, Weißdorn, Hagebutten und Eiben. Die Amsel genießt auch Sommerfrüchte wie Kirschen. Im Winter, wenn der Boden gefroren oder mit Schnee bedeckt ist, pickt er die Früchte dorniger Pflanzen und nähert sich Futterhäuschen. Um auf dem Boden nach Futter zu suchen, schiebt er mit seinen Krallen Blätter und Pflanzenreste beiseite. Er ist sehr ausdauernd und kann stundenlang nach Futter suchen. Seine Art zu fressen ist sehr speziell, da er dabei auf beiden Beinen gleichzeitig hüpft. Neben seinem schwarzen Gefieder ist dies ein weiteres charakteristisches Merkmal, an dem man ihn leicht erkennen kann.

 

Ist die Amsel eine gesellige Art?

 

In der Zeit zwischen den Bruten ist die Amsel gesellig, bildet jedoch keine organisierten sozialen Strukturen mit ihren Artgenossen. Selbst während der Wanderung bewegt sie sich allein oder in kleinen, lockeren Gruppen fort. In der Brutzeit wird der Vogel territorial. Auf gut sichtbaren Sitzplätzen geben die Männchen laute Lautäußerungen von sich, die durch einen flötenden Gesang gekennzeichnet sind, der nicht unbemerkt bleibt. Rivalen verfolgen sich auch gegenseitig und kämpfen seltener miteinander.

 

Wie pflanzt sich die Amsel fort?

 

Ab Ende Februar lässt die Amsel ihren melodiösen Gesang erklingen, um eine Amselweibchen zu verführen, dann paaren sich Männchen und Weibchen zu Beginn des Frühlings. Das Weibchen baut das Nest allein aus Zweigen, Federn, Pflanzenresten und allem, was es finden kann. Sie baut dieses Nest in einem Busch, einem dichten Baum oder inmitten einer Hecke oder eines hohen Rosenstrauchs. Die Amsel legt zwischen 3 und 5 Eier pro Gelege. Sie kann bis zu 3 Bruten pro Jahr produzieren. Nach etwa zwei Wochen Brutzeit schlüpfen die Küken. Jedes Küken wird von seinen beiden Eltern sorgfältig gefüttert, die sich etwa fünf Wochen lang abwechseln. Die jungen Amseln beginnen zwar bereits im Alter von 15 Tagen zu fliegen, bleiben aber noch etwa 20 Tage lang im Nest. Erst dann verlassen sie endgültig die Familie.

 

Welche ökologische Rolle spielt die Amsel?

 

Manche Vögel leiden unter einem schlechten Ruf, der ihnen seit Jahrzehnten anhaftet, so auch die Amsel. Viele Menschen mögen diesen Singvogel nicht, weil er so gerne Früchte frisst. Gärtner fürchten um ihre Ernte, insbesondere um Trauben, Kirschen und andere Sommerfrüchte. Man könnte jedoch etwas großzügiger sein und der Amsel erlauben, ein paar Leckereien zu picken, um ihr für ihre Dienste zu danken. Denn der Turdidae frisst viele Schnecken, Nacktschnecken, Raupen und zahlreiche Insekten, deren Populationen er so reguliert. Wenn man Amseln im Obstgarten, im Gemüsegarten und im Ziergarten willkommen heißt, kann man den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wie Schneckenkorn einschränken. Schon wenige Exemplare reichen aus, um den Außenbereich zu säubern und die Pflanzen vor dem Befall durch unerwünschte Tiere zu schützen. Das ist doch ein paar Handvoll Kirschen pro Jahr wert!

 

Ist die Amsel eine geschützte Art?

 

In anthropogenen Lebensräumen weist die Amsel während der Brutmonate eine hohe Sterblichkeitsrate auf. Studien zeigen, dass die Hälfte der Todesfälle zwischen März und Juni auftritt. Die Haupt Fressfeinde sind Hauskatzen und Rabenvögel für die Eier, gefolgt von Füchsen, Mardern, Hermelinen und Greifvögeln. Auch Kollisionen mit Autos sind eine Todesursache. Der Mangel an Nahrung stellt während der immer häufiger auftretenden Dürreperioden ein großes Risiko für Jungvögel dar. Als häufiger und weit verbreiteter Vogel gilt die Amsel jedoch nicht als bedroht. Sie wird von der Internationalen Union für Naturschutz (IUCN) als nicht gefährdet eingestuft. In Frankreich steht die Art nicht unter Schutz und gilt als bejagbares Wild der Kategorie Zugvögel. Die Lebenserwartung der Amsel beträgt etwa 15 Jahre.

 

Die Amsel/Turdus merula ist in unseren Gärten allgegenwärtig und gehört zu den bekanntesten Vögeln Europas. Doch hinter ihrer scheinbaren Alltäglichkeit verbirgt sich eine überraschend komplexe Art. Intelligenz, Anpassung an das Leben in der Stadt, ausgefeilte Kommunikation. Die Amsel weist zahlreiche Besonderheiten auf, die man ihr nicht zutrauen würde. Hier sind 10 Punkte, die unseren Blick auf diesen Vogel verändern werden.

 

1. Die Amsel hat nicht immer in der Stadt gelebt

 

Heute ist die Amsel untrennbar mit städtischen Parks, Gärten und Hecken verbunden. Ursprünglich war sie jedoch ein Waldvogel. Bis ins 19. Jahrhundert bewohnte sie vor allem dichte Wälder, wo sie Schutz und Nahrung fand.

Ihre schrittweise Ansiedlung in der Stadt ist ein bemerkenswertes Beispiel für Anpassungsfähigkeit. Forscher gehen davon aus, dass einige Amseln begannen, städtische Lebensräume zu erkunden, um von einer stabileren Nahrungsquelle und etwas milderen Temperaturen im Winter zu profitieren. Im Laufe der Generationen entwickelte diese städtische Population Verhaltensweisen, die sich von denen ihrer Waldverwandten unterscheiden.

So sind Stadt-Amseln beispielsweise oft weniger scheu gegenüber Menschen. Sie vertragen Lärm besser und passen sogar ihren Gesang an, um trotz des städtischen Trubels gehört zu werden.

 

2. Männchen und Weibchen unterscheiden sich stark

 

Bei Amseln ist der Geschlechtsdimorphismus besonders ausgeprägt.

Das Männchen trägt ein tiefschwarzes Gefieder, ergänzt durch einen leuchtend orangefarbenen Schnabel und einen gelben Augenring. Diese Färbung spielt eine Schlüsselrolle bei der Balz: Je intensiver die Schnabelfarbe, desto eher signalisiert dies eine gute körperliche Verfassung.

Das Weibchen hingegen hat ein dunkelbraunes, manchmal gesprenkeltes Gefieder. Diese Unauffälligkeit ist kein Zufall, denn es ermöglicht, beim Brüten ihrer Eier getarnt zu bleiben und so das Risiko, von Raubtieren angegriffen zu werden, zu verringert.

Die jungen Amseln ähneln eher dem Weibchen, bevor sie nach und nach ihr Erwachsenengefieder entwickeln.

 

3. Der Gesang gehört zu den kunstvollsten in der Vogelwelt

 

Der Gesang der Amsel gilt oft als einer der melodiösesten in Europa. Flötend, volltönend und sehr strukturiert ist der Gesang besonders in der Morgen- und Abenddämmerung zu hören. Weniger bekannt ist jedoch, dass jedes Männchen über ein einzigartiges Repertoire verfügt. Es kombiniert verschiedene Klangmotive und kann sogar improvisieren. Studien haben gezeigt, dass manche Amseln in der Lage sind, Geräusche aus ihrer Umgebung in ihre Lautäußerungen zu integrieren. In der Stadt singen sie oft früher als ihre Artgenossen auf dem Land, wahrscheinlich aufgrund der künstlichen Beleuchtung, die ihre innere Uhr stört. Sie können zudem die Frequenz ihrer Töne erhöhen, um den Umgebungslärm besser zu durchdringen. Der Gesang dient nicht nur der Ästhetik: Er dient vor allem dazu, ein Revier zu verteidigen und eine Partnerin anzulocken.

 

4. Die Amsel ist ein gefürchteter Revierverteidiger

 

Hinter ihrem friedlichen Äußeren verbirgt sich ein überraschend kämpferischer Vogel. Die Amsel verteidigt ihr Revier mit Nachdruck, vor allem während der Brutzeit. Konflikte zwischen Männchen können beeindruckend sein: Verfolgungsjagden in der Luft, Alarmrufe, einschüchternde Körperhaltungen. In manchen Fällen kommt es zu körperlichen Auseinandersetzungen. Dieses Revierverhalten gewährleistet einen ausreichenden Zugang zu Nahrung und Nistplätzen. Ein gutes Revier erhöht die Chancen auf Fortpflanzungserfolg erheblich.

 

5. Sie verfügen über ein bemerkenswertes Gedächtnis

  

Die Amsel zeigt kognitive Fähigkeiten, die manchmal unterschätzt werden. Beobachtungen deuten darauf hin, dass sie sich Gebiete merken kann, in denen Nahrung reichlich vorhanden ist, und diese regelmäßig aufsucht. Sie erkennt zudem günstige Zeitpunkte, um bestimmte Ressourcen zu nutzen, wie beispielsweise frisch gemähte Rasenflächen, auf denen Würmer leichter zugänglich sind. Dieses räumliche Gedächtnis stellt einen großen Vorteil in städtischen Umgebungen dar, in denen das Nahrungsangebot fragmentiert und unvorhersehbar sein kann. Dieses Verhalten können wir beim Rotkelchen und Sommergoldhänchen auch beobachten.

 

6. Ihre Ernährung ist viel vielfältiger als man denkt

 

Die Amsel wird oft mit Regenwürmern in Verbindung gebracht, die sie geschickt aus dem Boden zieht. Doch ihre Ernährung ist vielfältiger. Im Frühling und Sommer nimmt sie große Mengen an Wirbellosen zu sich: Insekten, Larven, Schnecken oder Spinnen. Diese Proteine sind für die Ernährung der Jungvögel unerlässlich. Im Herbst und Winter ernährt sie sich vermehrt von Früchten und Beeren. Diese Ernährungsflexibilität erklärt zum Teil ihren ökologischen Erfolg. In Gärten spielt sie sogar eine nützliche Rolle, indem sie bestimmte Insektenpopulationen reguliert.

 

7. Die Amsel kann mehrere Bruten pro Jahr haben

 

Die Brutzeit beginnt in der Regel im Frühling, kann sich aber über mehrere Monate erstrecken. Ein Weibchen kann pro Brut zwischen 3 und 5 Eier legen, und manche bringen bei günstigen Bedingungen bis zu drei Bruten im Jahr hervor. Das Nest, das sorgfältig aus Zweigen gebaut und mit Lehm befestigt wird, ist oft in einer Hecke oder einem dichten Strauch versteckt. Beide Elternteile beteiligen sich aktiv an der Fütterung der Jungvögel, die das Nest etwa zwei Wochen nach dem Schlüpfen verlassen. Doch auch wenn sie bereits auf dem Boden sind, bleiben sie noch eine Weile von den Erwachsenen abhängig.

 

8. Nicht alle Amseln ziehen weg

 

Entgegen einer weit verbreiteten Meinung ist die Amsel kein reiner Zugvogel. In Regionen mit gemäßigtem Klima bleiben viele Tiere das ganze Jahr über vor Ort. Dagegen ziehen Populationen, die weiter nördlich oder östlich in Europa leben, bei Einbruch des Winters in mildere Gebiete. Wir beobachten daher oft eine Mischung aus „Standvögeln“ und „Zugvögeln“. Diese Strategie ermöglicht es der Art, sich an sehr unterschiedliche klimatische Bedingungen anzupassen.

 

9. Stadt-Amseln entwickeln sich anders als Wald-Amseln

 

Das Leben in der Stadt hat nicht nur das Verhalten der Amsel verändert, sondern beeinflusst auch ihre Evolution. Einige Studien deuten darauf hin, dass Stadtamseln anders auf Stress reagieren als Wald-Amseln. Sie sind insgesamt toleranter gegenüber Störungen und weniger geneigt, zu fliehen. Auch in ihrem Fortpflanzungszyklus lassen sich Unterschiede beobachten: Sie nisten oft früher im Jahr, wahrscheinlich aufgrund höherer Temperaturen. Diese Veränderungen zeigen, wie schnell sich manche Arten an die durch menschliche Aktivitäten verursachten Veränderungen anpassen können.

 

10. Ihre Anwesenheit ist ein hervorragender ökologischer Indikator

 

Amseln in einem Garten zu sehen, ist in der Regel ein Zeichen für eine relativ gesunde Umwelt.

Dieser Vogel benötigt mehrere Faktoren, um zu gedeihen:

  • Gebiete mit dichter Vegetation zum Verstecken und Nisten;
  • einen lebendigen Boden, reich an Wirbellosen;
  • Beerentragende Sträucher;
  • Zugang zu Wasser.

Die Förderung der lokalen Artenvielfalt, durch das Pflanzen vielfältiger Hecken oder die Einschränkung von Pestiziden, trägt direkt zur Erhaltung der Amselpopulationen bei. Umgekehrt kann ihr Rückgang auf eine Verschlechterung des Lebensraums hindeuten. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Amsel weit mehr ist als nur ein Besucher unserer Gärten ist. Hinter ihrer vertrauten Silhouette verbirgt sich ein intelligenter, anpassungsfähiger Vogel mit einem erstaunlichen Verhaltensrepertoire. Ihre Fähigkeit, Städte zu besiedeln, ihren Gesang anzupassen, ihre Ernährung zu diversifizieren und ihre Fortpflanzungsstrategien zu ändern, macht sie zu einem Vorbild für Anpassungsfähigkeit in einer sich ständig verändernden Welt.

 

 

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