Tief im Wat schlängelt sich das Wasser zwischen den Büscheln der Salzwiesen hindurch. Ein Rückzugsgebiet für die Tierwelt.
Im Winter gibt es hier mehrere Tausend Vögel: Enten aus der Familie der Anatidae, wie die Belon-Brandgans oder die Blässgänse, ein viel verbreiteter Vogel ist der Silberreiher. Es gibt auch Watvögel wie Strandläufer und Schnepfen sowie wie den Graureiher.
Einige bleiben das ganze Jahr über, andere sind nur im Winter hier. Sie brüten im hohen Norden, in Sibirien, und folgen dann ihrer Nahrung nach Süden. Diese Überwinterer kehren jedes Jahr an denselben Ort zurück.
Und die Lagune ist auch eine Durchzugsroute: Manche Vögel fliegen bis nach Spanien, Marokko oder Senegal. Hier machen sie für ein paar Tage Rast.
Am besten nicht viel Lärm machen und das Watt nicht betreten. Es ist zwar schön, wenn die Vögel auffliegen. Aber sie müssen sich über den Winter Vorräte anlegen. Wenn sie mehrmals am Tag auffliegen, haben sie vielleicht nicht mehr genug Kraft, um wieder loszufliegen. Bei Ebbe gibt es große Schwärme verschiedener Arten auf dem Watt. Bei Flut ruhen sich die Vögel an überfluteten Stellen aus, wie zum Beispiel auf Salicornia-Patches. Sie sind alle versammelt und bewegen sich kaum. Das macht das Zählen einfacher. Aber für die Beobachtung passiert weniger.
Sanderlinge/Strandläufer gehören zu den Watvögeln, die auch als Limikolen bezeichnet werden. Der Sanderling ist ein Langstreckenzieher. Er legt beeindruckende Flüge von mehreren tausend Kilometern zurück, von seinen Brutgebieten in der Hocharktis bis zu den Küsten Europas.
Der Name leitet sich vom altenglischen sand-yrðling ab, „Sandarbeiter“. Sie können täglich mehr als 200 km fliegen und dabei beeindruckende Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 100 km/h erreichen.
Der Sanderling ist ein geselliger Vogel, der meist in Gruppen lebt. Man sieht ihn selten allein, da er die Gesellschaft seiner Artgenossen bevorzugt. Er sucht in kleinen Schwärmen an der Küste im Wat nach Nahrung, trippelt und pickt, sobald sich die Welle zurückzieht, und rennt dann schnell wieder zurück, wenn sie zurückkommt. Lebhaft und geschickt fängt er kleine wirbellose Tiere wie Insekten und deren Larven, Krebstiere, kleine Weichtiere sowie kleine Würmer an der Oberfläche und in geringer Tiefe im Wat.
Der Troïl-Alk/Uria aalge wird oft mit dem kleinen Pinguin oder Torda-Pinguin verwechselt, der ebenso wie der Papageientaucher zur Familie der Alcidae gehört. Die Bretonen nennen ihn Guillemot de Troïl und man sieht ihn sehr selten. Ich habe die Gruppe auf dem Ozean nach einem starken nördlichen Wind und einer aufgewühlten See beobachtet. Er ist sehr zutraulich und wir können uns auf weniger als einen Meter langsam nähern. Im Jahr 2023 ruhte sich eine Trottellumme nach einem Nordsturm in Porz Gwenn in der Nähe von Crozon aus und im Februar 2025 wurden fünf Trottellummen im Ärmelkanal gesichtet.
Troïl-Alk auf einem Felsen
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Die Rotgans Limosa lapponica ist ein wandernder Watvogel, den können wir überall finden. An der Rosa Granit Küste/Bretagne war eine Gruppe von etwa dreißig Vögeln die im Winter 2023-2024 überwinterten.
Eine im September 2023 in Norwegen beringte Rotgans verbrachte mehr als sechs Monate in Tregastel Nähe Grève Blanche”.
2022 legte eine Rotgans einen Flug von über 13.560 km zurück, indem sie 11 Tage und 11 Nächte ohne Zwischenlandung und ohne Nahrungsaufnahme flog. Diese Strecke wurde zwischen Alaska und Tasmanien zurückgelegt.
Der Vogel, ein Jungvogel flog im Oktober 2022 ganze 11 Tage und 11 Nächte, ohne zu trinken oder zu fressen.
Das war ein neuer Rekord für einen Nonstop-Flug ohne Landung für eine per GPS verfolgte Rotgans.
Alle Rostgänse unternehmen lange Wanderungen, aber die aus Alaska fliegen außergewöhnliche Strecken”, erklärt Maxime Zucca, Ornithologe und Autor des Buches La migration des oiseaux : comprendre les voyageurs du ciel.
Warum? Weil es zwischen Alaska, wo sie nisten, und Neuseeland, wo sie überwintern, „keinen Ort gibt, um Fettreserven aufzubauen, auch wenn es einige Atolle gibt“. Ein solcher Direktflug begrenzt auch das Krankheitsrisiko und spart Zeit.
Eine solche Reise muss sorgfältig vorbereitet werden. Mitte August machen diese Watvögel, die sich von Würmern am Wasserrand ernähren, einen ersten, kürzeren Zwischenstopp im Yukon-Delta, „wo es sehr gute Wattgebiete gibt”, erklärt der Ornithologe. Dort bleiben sie einen Monat lang, um 50 % an Gewicht zuzunehmen und von 200 auf 300 Gramm zu kommen.
Kurz vor dem Abflug fastet die Rotgans einige Tage lang. „Sie hören auf zu fressen, damit die für die Nahrungsaufnahme zuständigen Organe, die für den Flug nicht benötigt werden, verkümmern. Die Herausforderung besteht darin, das richtige Gleichgewicht zwischen Fettreserven und einem Gewicht zu finden, das den Flug nicht zu sehr behindert“, analysiert Maxime Zucca.
Im Bewusstsein der vielfältigen Herausforderungen, die sich aus der Krise des Klimawandels, des Verlustes der biologischen Vielfalt und der Umweltverschmutzung ergeben, müssen wir versuchen, diese Herausforderungen gemeinsam angehen und Ökosysteme wiederherstellen, wo dies notwendig und möglich sind z.B. die Förderung und Unterstützung der Nahrungsverfügbarkeit, insbesondere für Vögel, aber auch für Fische, Robben und Schweinswale.
Gerade im Zusammenhang mit den Auswirkungen des Klimawandels, d.h. weitere Untersuchungen fördern und geeignete naturbasierte Lösungen für die Anpassung an den Klimawandel und den Küstenschutz und die Wasserwirtschaft mit Naturschutzzielen durch die Förderung neuer Ansätze und die Analyse der Auswirkungen künftiger Schwankungen des Süßwasserzuflusses durch die Flussmündungen.
Nicht zu vergessen auch die verschiedenen Arten der Seevögel, oder seltene und bedrohte Pflanzen.
Die Bretagne ist reich und stolz auf ihr Naturerbe…aber es reicht nicht aus, die Natur einfach sich selbst zu überlassen. Im Gegenteil, die Wiederherstellung natürlicher Lebensräume erfordert unser Handeln.
Wer eine natürliche Liebe für Vögel mitbringt und sich zudem gerne und viel in der freien Natur aufhält, wie ich und zwar bei jedem Wetter, wird in der Zukunft erleben, wie das Thema Bretagne Vivante sich entwickelt.