Die Katastrophe in Nepal und Tibet im August 2026 und Oktober 2026, hat die Fragen nach der Gefahr eines Gletschereinsturzes in den West Alpen erneut aufgeworfen. Könnten solche Ereignisse, die mit der globalen Erwärmung zusammenhängen, auch in den Alpen auftreten? Wie werden die Gletscher überwacht? Der Glaziologe Olivier Gagliardini erläutert diese Phänomene. Bestehen in den französischen Bergen ähnliche Risiken? Olivier Gagliardini, Glaziologe am Institut für Umweltgeowissenschaften (IGE) in Grenoble, erläutert die von Gletschern in Frankreich ausgehenden Risiken und die Überwachungsmaßnahmen, die zu deren Vorbeugungen ergriffen wurden.
Ein Schlamm-, Geröll- und Eisstrom hatte am 26. August 2026 und 11. Oktober 2026, zwei Täler in Nepal an der Grenze zu Tibet verwüstet und viele Todesopfer gefordert. Auch in Frankreich bergen die Gletscher in den Alpen Risiken. Es könnten dieselben Phänomene wie in Nepal und Tibet auftreten. Allerdings sind die Berge nicht identisch.
Die Größenordnungen sind in den Alpen wesentlich geringer. Zudem liegen einige Gletscher in den französischen Alpen direkt über bewohnten Gebieten. Die Täler der West Alpen sind weitaus stärker urbanisiert als die Täler im Himalaya. Dennoch kann, auch wenn die Risiken auf französischer Seite geringer sind, ein Katastrophenszenario mit einer gewissen Anzahl von Opfern in den Alpen nicht ausgeschlossen werden.
In La Bérarde/Isère Im Juni 2024 verwüstete in La Bérarde/Isère, eine Schlamm- und Gerölllawine den Weiler. Dann in Blatten in der Schweiz im Mai 2025: Ein Dorf wurde zuvor vollständig evakuiert und dann komplett verschüttet. Es gab nur ein einziges Opfer. Wäre das Dorf jedoch nicht evakuiert worden, hätten wir Hunderte von Toten zu beklagen gehabt.
All diese Naturkatastrophen stehen im Zusammenhang mit der globalen Erwärmung. Nach dem Sommer 2026, den wir hinter uns haben, haben die Berge, die Gletscher und der gefrorene Boden extrem gelitten. Die Situation verschlimmert sich seit Jahrzehnten immer weiter.
Nirgendwo auf der Welt, schmelzen Gletscher so schnell, wie in den Alpen.
Die erste Risikokategorie hängt mit Wasser zusammen. Gletscher bestehen aus gefrorenem Wasser. Wenn sie schmelzen, verwandeln sie sich wieder in Wasser. Dieses Wasser sammel sich zu einem See kann. Das Risiko steigt, wenn diese Wassermenge zu groß wird: Der Damm, der dieses Wasser zurückhält, kann schließlich brechen. Dies war 1892 am Gletscher von Tête-Rousse oberhalb der Gemeinde Saint-Gervais der Fall. Der heftige Murgang forderte 200 Todesopfer. Das zweite Risiko ist die Eislawine: Ein Stück Eis oder Gletscher bricht plötzlich ab. Dies war zum Teil der Grund für jene gewaltige Lawine aus Eis, Geröll und Wasser, die das Dorf Blatten in der Schweiz vollständig verschüttete.
Heute werden fast alle Einzugsgebiete in den Alpen überwacht und die jeweiligen Länder vergeben einen Risikoindex. Diese Überwachung erfolgt im Rahmen des Aktionsplans zur Prävention von Risiken glazialen und periglazialen Ursprungs (Paprog), an dem Wissenschaftler, staatliche Stellen wie der Dienst für die Wiederherstellung von Berggebieten (RTM), das Nationale Forstamt (ONF), die Präfekturen und die betroffenen Gemeinden beteiligt sind. Diese Überwachung umfasst die Installation von Messgeräten auf den Gletschern, die Messung ihrer Temperatur sowie des Wasserdrucks am Gletscherfuß usw. Parallel dazu erstellen wir Modelle zur zukünftigen Entwicklung der Temperaturen, der Geometrie und der Stabilität der Gletscher, um die mögliche Entwicklung der Situation vorherzusagen. Wir haben etwa zehn Einzugsgebiete identifiziert, die überwacht werden müssen. Oder bei denen in den kommenden Jahren, ja sogar schon in Kürze, Maßnahmen ergriffen werden müssen.
Es wurden bereits Maßnahmen ergriffen. Zum Beispiel die Entleerung des Lac des Bossons, direkt oberhalb von Chamonix, im Jahr 2023. Gemeinsam mit der Stadtverwaltung wurde ein Überwachungsprogramm aufgelegt, das es ermöglicht, in den kommenden Jahren die Gletscher von Bossons und Taconnaz zu überwachen.
© Mont Blanc Hemis via AFP
Die Mont-Blanc-Kommission hat am 13. Oktober 2026, ihre neuesten Messungen des höchsten Gipfels Europas veröffentlicht. Der Mont-Blanc ist genau 4.807,47 m hoch. Seit fünfundzwanzig Jahren liefern diese regelmäßigen Messungen Daten nicht nur für Vermessungsingenieure, sondern auch für Glaziologen.
Eine neue Messung die mehr als nur symbolischen Charakter hat, wurde am 13. Oktober 2026, veröffentlicht. Die Höhe des höchsten Gipfels Europas beträgt nun ganz offiziell und ganz genau 4.807,47 m.
Die jüngste Messung wurde am 9. Oktober 2026 vom IGN/Institut national de l’information géographique et forestière validiert und am 13.Oktober offiziell bestätigt. Der Mont-Blanc erreicht eine Höhe von 4.807,47 m. Der wissenschaftliche Nutzen besteht darin, ein besseres Verständnis für die Bewegungen der Eiskappe und ihre Entwicklung zu gewinnen. Diese Art von Messungen wird auch für einige andere Gipfel durchgeführt, zum Beispiel für die Écrins, aber auch für sensible Standorte wie die Düne von Pilat oder überschwemmungsgefährdete Küstengebiete.
Der Mont Blanc wird seit einem Vierteljahrhundert fast jedes Jahr vermessen. Dazu werden satellitengestützte Ortungssysteme genutzt, das sogenannte GNSS/Global Navigation Satellite System. Dieses basiert auf verschiedenen Satellitenkonstellationen, deren Daten sich gegenseitig ergänzen: dem amerikanischen GPS-Netzwerk, dem europäischen Galileo, dem russischen Glonass und dem chinesischen BeiDou.
Um Höhenmessungen in Bezug auf den Meeresspiegel durchzuführen, stützt sich ein Vermessungsingenieur auf das vom IGN definierte nationale System. Der Bezugspunkt ist der Gezeitenpegel in Marseille. Weltweit hat jedes Land einen Nullpunkt, der nicht unbedingt derselbe ist. Es kann daher zu Abweichungen kommen, aber es gibt Umrechnungstabellen.
Am Mont-Blanc misst man die Oberfläche der Eiskappe, deren höchster Punkt der Gipfel ist. Diese Eiskappe, die regelmäßig durch festgepressten Schnee aufgefüllt wird, verschiebt sich und verformt sich je nach Wetterbedingungen und Jahreszeiten. Man misst die gesamte Eisschicht und nicht nur einen einzelnen Punkt, um eine 3D-Darstellung zu erstellen. Etwas kontraintuitiv wirkt sich die globale Erwärmung nur geringfügig auf die Messung aus. In diesen Höhenlagen reagiert der Gletscher kaum auf die Erwärmung. Vielmehr spielen die Stärke der Winde, die den Schnee wegfegen, und die Niederschlagsmenge eine Rolle.
Die Tour du Mont-Blanc könnte ab 2027 neuen Vorschriften unterliegen. Eine Charta sieht vor, Reservierungen verpflichtend zu machen und das wilde Biwakieren zu verbieten, um die Nutzung dieser sehr beliebten Route besser zu regeln.
Die gewählten Vertreter der sieben französischen Gemeinden, durch die Tour du Mont-Blanc/TMB führt, haben Mitte September 2026, dem Grundsatz einer Charta zugestimmt, die darauf abzielt, die Besucherzahlen besser zu regulieren. Der Text, der gemeinsam mit Fachleuten aus der Bergbranche und staatlichen Stellen erarbeitet wurde, befindet sich derzeit in der Endphase. Die Unterzeichnung soll bis Ende des Jahres erfolgen, damit die Charta im Frühjahr 2027 in Kraft treten kann.
Nach Angaben der Abgeordneten nutzen jedes Jahr etwa 90.000 Wanderer die Tour du Mont-Blanc, das sind fast 50 % mehr als vor Corona. Dieser Anstieg habe zu einer Zunahme von wilden Zeltlagern, Müll und Problemen im Zusammenhang mit der Nutzung der Wanderwege und der durchquerten Grundstücke geführt.
Darüber hinaus möchten die Kommunen den Gepäcktransport zwischen den verschiedenen Etappen regeln und diesen Service ausschließlich für Trekkingrucksäcke reservieren.
Ziel ist es, den Transport großer Rollkoffer per Taxi zu unterbinden und gleichzeitig die Arbeit der lokalen Wanderführer und Bergführer aufzuwerten.
Um die Einhaltung dieser neuen Bestimmungen durchzusetzen, ist die Einrichtung einer „grünen Brigade“ geplant, deren Aufgabe es sein soll, die Reservierungen zu kontrollieren und für den respektvollen Umgang mit den durchquerten Gebieten zu sorgen. „Angesichts der Auswüchse machen wir deutlich, dass die Zeiten der ‚Open Bar‘ nun vorbei sind! Wir verbieten nichts, sondern organisieren“, erklärt Jean-Marc Peillex, Bürgermeister von Saint-Gervais und Präsident des Gemeindeverbands Pays du Mont-Blanc.
Vor der Umsetzung der Charta müssen jedoch noch einige Punkte geklärt werden, da die 170 Kilometer lange Strecke durch Frankreich, Italien und die Schweiz führt. Die französischen Gemeinden möchten ihre Partner einbeziehen, um die Regeln zwischen den drei Ländern zu harmonisieren.
Der UTMB ist der legendäre Lauf rund um den Mont-Blanc, der jedes Jahr Trail-Begeisterte nach Chamonix in der Haute-Savoie lockt, der zu einem echten Phänomen geworden ist. Tausende von Trail-Läufern treffen sich in Chamonix, um am Ultra-Trail du Mont-Blanc (UTMB) teilzunehmen. Der UTMB ist der berühmteste und prestigeträchtigste Trail-Lauf der Welt. Er wurde 2003 ins Leben gerufen und besteht darin, den Mont-Blanc in einer einzigen Etappe zu umrunden – auf einer Strecke von etwa 174 km mit 10.000 Höhenmetern im Anstieg, die durch drei Länder führt: Frankreich, Italien und die Schweiz. Die Schnellsten schaffen die Strecke in etwa 20 Stunden, doch die meisten Läufer benötigen mehr als doppelt so lange, um die Ziellinie zu überqueren … sofern sie es überhaupt schaffen! Schließlich muss die Strecke in weniger als 46 Stunden zurückgelegt werden.
Die Alpen zu durchqueren ist eine echte Herausforderung. Die Pässe sind geschichtsträchtige Durchgangsorte, denn sie stellen für viele Sportler – ob Profis oder Amateure, Radfahrer oder Wanderer – eine persönliche Herausforderung dar. Daher ziehen die Landschaften sehr unterschiedliche Menschen an, die jedoch alle Herausforderungen lieben. Tauchen Sie ein in die Landschaften der West Alpen.
Die Alpen zu durchqueren ist eine echte Herausforderung. Die Pässe sind geschichtsträchtige Durchgangsorte, denn sie stellen für viele Sportler – ob Profis oder Amateure, Radfahrer oder Wanderer – eine persönliche Herausforderung dar. Daher ziehen die Landschaften sehr unterschiedliche Menschen an, die jedoch alle Herausforderungen lieben. Tauchen Sie ein in die Landschaften der West Alpen.
Die Strecke des UTMB ändert sich nicht jedes Jahr grundlegend. Die große, historische Rundstrecke von etwa 170 km und 10.000 Höhenmetern durch Frankreich, Schweiz und Italien bleibt unverändert.
Mit rund 700 Teilnehmern bereits bei seiner ersten Ausgabe vor 23 Jahren hat sich der UTMB schnell zum Lieblingslauf von Spitzen-Trailläufern und Laufbegeisterte entwickelt. In den letzten Jahren haben sich mehr als 25.000 Läufer versucht anzumelden, während die Organisatoren die Teilnehmerzahl auf 2.500 begrenzen.
Im Herzen des Mont-Blanc-Massivs überwinden die Teilnehmer elf große Pässe, durchqueren sieben Täler und laufen an hohen Gipfeln und Gletscherzungen entlang. Neben dem hohen Schwierigkeitsgrad sind es auch die Landschaften, die die Beliebtheit dieses Rennens erklären: zwei Sonnenaufgänge über dem Mont-Blanc und bei jedem überquerten Pass ein anderer Ausblick auf den höchsten Pass Europas – das ist in der Tat verlockend, sodass es aufgrund der großen Begeisterung mittlerweile sogar schwierig geworden ist, sich für den UTMB anzumelden.
Die höchsten Pässe sind:
Am 5. September 2026 wurden Temperaturrekorde gebrochen. In Perpignan/Pyrénées-Orientales, wurden am Samstagnachmittag bis zu 39,4 °C gemessen – ein für einen September beispielloser Wert, der die 36,9 °C vom Donnerstag deutlich übertraf.
Auch andere Messstationen erreichten für einen September bisher nie dagewesene Werte:
Der UTMB hat sich zur Aufgabe gemacht, den Focus auf den Zusammenbruch der Artenvielfalt in den Bergen zu richten und wie wir dazu beitragen können, die Artenvielfalt zu erhalten. Diese wesentlichen Dinge werden oft vergessen. Ob wir qualitativ hochwertigen Sauerstoff atmen können – oder überhaupt atmen können –, hängt von der Artenvielfalt ab. Das ist ein Thema, das in den letzten Jahrzehnten vernachlässigt wurde. In den Medien wird nicht viel darüber gesprochen. Dabei sind die Zahlen erschreckend.
Seit 1970 sind 73 % der Wirbeltierarten ausgestorben. Aufgrund der Auswirkungen des Menschen. Es ist, als hätten wir eine Mauer aus Ziegelsteinen. Wenn eine Art ausstirbt, wird ein Ziegelstein entfernt. In diesem Moment ist die Mauer noch stabil. Dann entfernt man zwei Ziegelsteine, die Mauer wird etwas instabiler, hält aber noch stand. Und so weiter. Je mehr Arten verschwinden, desto instabiler wird die Mauer, weil man Ziegelsteine entfernt. Am Ende kommt es zum Einsturz. Wir können nicht ohne die anderen leben.
Die Idee ist, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, sich zu informieren, so wie wir es bei Klimafragen getan haben. In einem zweiten Schritt geht es dann darum, das Bewusstsein zu schärfen, darüber zu sprechen, als Botschafter zu fungieren und das Thema einem breiten Publikum zugänglich zu machen, denn es herrscht wirklich ein Mangel an Wissen. Wir müssen uns nur die sozialen Netzwerke ansehen. Zum Beispiel musste man dieses Jahr beim UTMB nachts eine rote Lampe tragen, um die dort lebenden Tierarten nicht zu stören. Das hat für Kontroversen gesorgt … Wir richten alles auf uns aus und nicht auf andere. Wir betrachten uns nicht als Teil der Natur, manche Sportler sind davon sogar genervt, weil angeblich diese Ökos auf die Nerven gehen. Derzeit sind es vor allem Sportler, die sich für Themen rund um Sport und Umwelt einsetzen und oft in der freien Natur Sport treiben (Trailrunning, Surfen, Segeln, Skifahren…). Aber sollten nicht auch andere Sportler, wie zum Beispiel Fußballer, die eine große Anhängerschaft haben, diese Themen aufgreifen?
Maxime Perio, ein 35-jähriger Trailrunner aus Saint-Gildas-des-Bois/Loire-Atlantique, nimmt an zahlreichen Wettkämpfen teil, die ihn in die französischen und angrenzenden Gebirgsmassive führen.
„In der Natur macht mir nichts Angst. Jeder Moment wird so zu einer Herausforderung und einer Entdeckung“, erklärt Maxime. Einfach ausgedrückt ist Trailrunning ein Langstreckenlauf zu Fuß in der Natur, meist auf Feldwegen und Wanderpfaden in der Ebene, im Wald oder in den Bergen."
„Ich habe im Laufe der Zeit mehrere kleine und große Läufe absolviert, aber ich würde sagen, derjenige, der mich am meisten geprägt hat, war der, den ich im Juni in Le Puy en Velay zusammen mit meinem Trail-Kumpel Romain gelaufen bin. Es war ein Trail von 80 km mit 3.400 Höhenmetern, den ich locker in 12 Stunden und 9 Minuten bewältigt habe, mit nur einem 20-minütigen Durchhänger bei Kilometer 65“, erzählt er.
„Der Lauf, auf den ich am stolzesten bin, ist ein Trail in der Nähe von Grenoble, bei dem ich zwei Wochen vor dem Start aufgrund einer Absage eine Startnummer bekommen habe. Ich bin diesen 40-Kilometer-Lauf bei 40 Grad gelaufen, es war furchtbar, aber ich bin als 37.ter von 240 Teilnehmern in 6 Stunden und 35 Minuten ins Ziel gekommen – ich hätte nie gedacht, dass ich einmal einen so guten Platz erreichen würde, aber mit etwas Disziplin schaffe ich vieles."
Die Tage sind lang nach zehn Stunden Arbeit, aber man muss zum Training gehen – und das natürlich das ganze Jahr über. Die Trainingseinheiten im Winter sind sehr hart – da darf man sich nicht auf die Motivation verlassen, sondern muss auf Disziplin setzen, sonst trainiert man nicht oft genug. Ich habe das Glück, von meinen Eltern, meinen Brüdern, meinen Freunden, meiner Frau und meinem Sohn super unterstützt zu werden, die mich motivieren, selbst wenn ich unter der Woche um 21 Uhr im Regen laufen muss“, erzählt Maxime mit einem Lächeln.
Was Anekdoten angeht, erlebte der Läufer aus Gildas im September 2024 bei einem Lauf in der Schweiz einen ungewöhnlichen Moment. Oben auf den Pässen herrschten -4 Grad, an manchen Stellen schneite es, und da war ein Deutscher, der in einer Leoparden-Unterhose lief!
Man hätte meinen können, es sei ein Scherz, aber es ist tatsächlich wahr. Ich selbst trug vier Schichten Kleidung und zwei Hosen…
Im Jahr 1305 erfuhr Bertrand de Got, der spätere Papst Clemens V. und erste Papst, der sich in Avignon niederließ, von seiner Wahl, als er sich in der Abtei Bellefontaine in der Nähe von Cholet/Maine-et-Loire aufhielt. Eine Geschichte, die angesichts des Besuchs von Papst Leo XIV. in Paris am 26. September 2026 eine besondere Bedeutung erhält.
Es ist eine über 700 Jahre alte Geschichte, die im Zuge des Besuchs von Papst Leo XIV. in Paris wieder ins Bewusstsein rückt. Nachdem 12 Mönche aus der Abtei im Juli 2026 die Nachfolge der letzten Trappistenmönche in der Abtei Bellefontaine folgten, entdeckten Pater Prior Raphaël und seine 12 Mitbrüder aus der Abtei Le Barroux kürzlich eine bemerkenswerte Anekdote über ihre neue Heimat.
Am 5. Juni 1305 erfuhr Bertrand de Got, damals Erzbischof von Bordeaux, in diesem symbolträchtigen Kloster der Region Mauges, dass er gerade zum Papst gewählt worden war. Der Überlieferung zufolge bedankte sich derjenige, der einige Monate später den Namen Clemens V. annahm, auf seine Weise bei der Abtei mit einem Geschenk, das noch heute im Chorraum zu sehen ist.
Während Bertrand de Got im Rahmen seiner Pastoralreise durch die Diözese Poitiers, zu der die Abtei gehört, einen ruhigen Aufenthalt im Kloster Bellefontaine verbringt, streiten sich die Kardinäle in Italien, um einen Nachfolger für den verstorbenen Benedikt XI. zu finden. Um es einfach auszudrücken: Es gibt zwei Lager. Die „Bonifatianer“, die die absolute Oberhoheit des Papstes über die Könige beanspruchen. Und dann die anderen. Es geht heftig zur Sache. Das Konklave zieht sich in die Länge.
Der Prälat aus Aquitanien, schritt vor Ungeduld bei dem Gedanken hin und her, den Ausgang der Sache zu erfahren. "Man muss sagen, dass es ihm gelungen war, sich mit niemandem zu überwerfen" erklärt der Ordensbruder Serge Grandais in einem Werk über Bellefontaine. Und so wird sein Name – wahrscheinlich nach geheimen Verhandlungen – von beiden Seiten akzeptiert. Ein historischer Moment. Ein Tag, den man mit einem weißen Kreuz markieren sollte, denn an diesem Tag beherbergt die Abtei zum ersten Mal in ihrer Geschichte einen Heiligen Vater.
Das Kloster wird nach ihm keinen weiteren Papst mehr empfangen. Im Gegenzug schenkt der neue Papst seinen Gastgebern aus den Mauges eine Statue der Jungfrau mit dem Kind, um ihnen zu danken. Dieses etwa zwei Meter hohe gotische Werk hat jedoch eine bewegte Geschichte hinter sich: Von den ersten Trappistenmönchen in ein Massengrab geworfen, mit der Begründung, sie löse eher Gelächter als Andacht aus, wie Serge Grandais berichtet, soll sie abwechselnd zerbrochen und dann wieder restauriert worden sein, bevor sie schließlich im 19. Jahrhundert wieder zu Ehren gebracht und rechts vom Chor aufgestellt wurde.
Für die 12 Mönche aus Le Barroux hat diese Geschichte zu Beginn des Sommers 2026 zweifellos eine ganz besondere Bedeutung. Denn sie kommen aus einer Abtei, die nur einige Kilometer von Avignon entfernt liegt. Die ehemalige päpstliche Stadt. Genau dort, wo Clemens V. beschloss, das Papsttum anzusiedeln. Noch erstaunlicher ist, dass es eben diese Mönche sind, die weiterhin den ersten päpstlichen Weinberg in Malaucène/Vaucluse am Fuße des Mont Ventoux pflegen. Ein Weinberg, der von Clemens V. angelegt wurde – einem Liebhaber guter Weine und gebürtigen Bordelais. Ob reiner Zufall oder Zeichen des Schicksals – Prior Raphaël gesteht, dass er erst bei seiner Ankunft hier von diesen Anekdoten erfahren habe. Sie seien sehr bewegend, räumt er ein.
Als Léon XIV. am 25. September 2026, in Paris seine große feierliche Messe vor 800.000 Gläubigen zelebrierte, haben die neuen Bewohner von Bellefontaine ihn im Gebet begleitet. „Ich würde mir wünschen, dass er Frankreich dabei hilft, wieder zu erwachen“, gesteht der Prior und greift damit die Frage auf, die Johannes Paul II. bei seiner ersten Reise nach Frankreich gestellt hatte: „Frankreich, älteste Tochter der Kirche, bist du den Versprechen deiner Taufe treu geblieben?“ Was den Wunsch angeht, ihn eines Tages durch ihre Pforte schreiten zu sehen, so bleibt dieser Wunsch bestehen. „Es ist immer ein Traum, den Papst zu empfangen“, lächelt er. „Und warum nicht? Schließlich hat Bellefontaine das schon einmal geschafft.
Unsere Ansiedlung in Le Barroux war aufgrund unserer Identität schwierig. Heute arbeiten wir mit Krankenhäusern zusammen, betreiben eine Ölmühle, eine Bäckerei, führen ein Weinsortiment … Ich glaube, dass uns hier dasselbe gelingen wird.
Wir werden alles tun, damit alles bestmöglich verläuft. Und er dankte der Versammlung für ihr Wohlwollen. In den Mauges urteilen die Bauern nach dem ersten Eindruck. Wer Ohren hat, der höre.
Es ist jedoch unmöglich, heikle Themen zu vermeiden. Die Vorwürfe des Konservatismus? Es mag eine Zeit gegeben haben, in der wir Verbindungen zu politisch sehr engagierten Menschen hatten. Aber seit fünfzehn Jahren haben wir uns davon distanziert. Wir bewahren unsere Neutralität: Wir sind Menschen des Gebets und nicht dazu da, Wahlanweisungen zu geben.
Die Benediktiner weisen jedoch auf ihren Status hin: Wir haben eine klösterliche Liturgie. Mit anderen Worten: Hier gibt es weder Katechismusunterricht noch Taufen. In Bellefontaine wird die Abteikirche den ganzen Tag über geöffnet sein. Mit sieben Gottesdiensten am Tag und einem einzigen in der Nacht, genau wie bei ihren Vorgängern. „Der erste ist um 3:30 Uhr: Ihr seid herzlich willkommen!“.
Der 11. Juli 2026, markierte den Beginn einer neuen Ära in der Abtei von Bellefontaine in Bégrolles en Mauges, in der Nähe von Cholet/Maine-et-Loire.
Die Trappistenmönche, die den Ort seit mehr als zwei Jahrhunderten bewohnten, haben das Ruder an die Mitglieder der traditionalistischen Benediktinergemeinschaft von Le Barroux übergeben. Mehr als 2.000 Gläubige, mehr oder weniger überzeugt, nahmen an dem Ereignis teil.
Am 11. Juli 2026, kamen zahlreiche Gläubige, um an der Messe teilzunehmen, die den Stabwechsel zwischen zwei Mönchsgemeinschaften symbolisierte. Nach zweihundert Jahren Geschichte an diesem Ort haben die Trappisten von Bellefontaine ihre Abtei an die Benediktiner von Sainte-Madeleine du Barroux übergeben. 12 Mönche, darunter der Prior Bruder Raphaël, haben die Abtei von Bellefontaine in Besitz genommen. Während 600 Gläubige Plätze im Inneren erhalten konnten, verfolgten 1.800 Menschen die Zeremonie vom Klostergarten aus, wo sie auf Bänken saßen und durch Festzelte vor der Sonne geschützt waren. Ein Großbildschirm übertrug die Messe, sodass möglichst viele Menschen in Andacht diesen klösterlichen Übergang mitverfolgen konnten.
In der Abtei geht die Messe weiter. Die in Latein vorgetragenen kirchlichen Gesänge, die von den Gläubigen im Chor mitgesungen werden, hallen durch das Klostergelände. Der Bischof von Angers, Monsignore Emmanuel Delmas, schreitet zum Altar, um die Gemeinschaft von Le Barroux zu begrüßen. Zwei weitere Bischöfe aus Luçon/Vendée und Tours/Indre-et-Loire sind ebenfalls angereist.
Anschließend folgte die Unterzeichnung des Dekrets, das den Eigentümerwechsel der Abtei offiziell besiegelte. Am Ende der Zeremonie verließen die Mönche die Kirche von Bellefontaine, um sich mit den Gläubigen auszutauschen.
In Isère schlagen die Thermometer angesichts dieser neuen Hitzewelle verrückt. Météo Centre-Isère verzeichnet zu Beginn des Septembers 2026 sogar Temperaturrekorde an den meisten Wetterstationen des Departements.
17 der 19 Wetterstationen in Isère haben am Freitag, dem 4. September, ihren Temperaturrekord gebrochen. Ein Tag, den Météo Centre-Isère als „historisch“ bezeichnet. Sowohl in der Ebene als auch in den Bergen stiegen die Temperaturen teilweise deutlich über 35 Grad, wie in Sablons im Norden des Départements Isère, wo 37,3 Grad gemessen wurden, oder in Coublevie bei Voiron, wo es 36,5 Grad warm war. Die einzigen Messstationen, die ihren Monatsrekord nicht gebrochen haben, sind die in Autrans-Méaudre im Vercors und in Bourgoin-Jallieu.
Selbst in den Höhenlagen sind die Temperaturen für einen September ungewöhnlich hoch. In La Mure beispielsweise, auf 885 Metern Höhe, stieg die Temperatur am Freitag, dem 4. September, auf bis zu 32 Grad und in Villard-de-Lans im Vercors-Massiv, auf 1027 Metern Höhe, auf bis zu 31,5 Grad.
Das Departement Isère ist kein Einzelfall, denn laut Météo Centre-Isère haben 282 Messstationen in Frankreich ebenfalls ihre Monatsrekorde gebrochen zu Beginn dieses Septembers. In Chamonix beispielsweise erreichte die Temperatur 31,5 Grad und übertraf damit den bisherigen Rekord von 31,1 Grad aus dem Jahr 1911.
Der im Departement Isère oberhalb von Le Bourg-d’Oisans gelegene Anstieg zur Alpe d’Huez erstreckt sich über 13,8 km mit einer durchschnittlichen Steigung von 7,9 % und einem Höhenunterschied von 1.090 Metern. Bei der Tour de France 2026 stand dieser Anstieg wieder auf dem Programm – und zwar gleich zweimal. Eine gute Gelegenheit, in seine Geschichte einzutauchen um zu verstehen, warum dieser Pass so faszinierend ist. Iseran, Galibier, Izoard, Bonette … Es gibt zahlreiche berühmte Alpenpässe. Dennoch scheint Alpe d’Huez einen ganz besonderen Status zu haben. Der Name hallt in den Köpfen der meisten Straßenradsportfans auf der ganzen Welt nach.
Die Tour de France 2026 markierte die 33. Befahrung der Alpe d’Huez. Und 2026 bezwangen die Fahrer an zwei aufeinanderfolgenden Tagen die 19. Etappe, zwischen Gap und der Alpe d’Huez, sowie auf der 20. Etappe mit Start in Le Bourg-d’Oisans.
Das ist das Privileg derer, die auf der Alpe d’Huez gewinnen. Der Etappensieger sieht seinen Namen auf einem der 21 Schilder eingraviert. Da es mehr Sieger als die 21 Kurven gibt, sind auf manchen Serpentinen mehrere Namen zu sehen. Der zuletzt eingetragene Franzose, Thibaut Pinot, Sieger von 2015, ist auf dem Schild in der Kurve 14 neben dem Schweizer Beat Breu zu finden.
Während der Col du Télégraphe und anschließend der Col du Galibier bereits seit 1911 befahren wurden, stand Alpe d’Huez erst 1952 auf dem Programm. Es war die allererste Ankunft auf dem Gipfel in der Geschichte der Tour de France. Der Italiener Fausto Coppi setzte sich dort nach einer 266 km langen Etappe, als (erster) Sieger durch und bewältigte den Anstieg in 45 Minuten und 22 Sekunden. In jenem Jahr wurden die Etappen zum ersten Mal vom Fernsehen übertragen. Seltsamerweise wurde der Ort anschließend fast 25 Jahre lang gemieden, bis die Tour 1976 dorthin zurückkehrte.
Ab den 1970er Jahren häuften sich die niederländischen Siege: Joop Zoetemelk, Hennie Kuiper, Peter Winnen, Steven Rooks, Gert-Jan Theunisse. Seit 1988 gab es keinen niederländischen Erfolg mehr.
Dennoch haben die orangefarbenen Fans nichts vergessen. Sie versammeln sich bei jeder Durchfahrt in der „bocht“ Kurve Nr. 7, die in „Kurve der Niederländer“ umgetauft wurde.
Der Col de la Loze ist 21,5 km lang und weist im letzten Abschnitt Steigungen von 20 % auf. Beim Iseran beträgt die durchschnittliche Steigung 4,3 %, dafür ist der Anstieg jedoch 48 km lang. Was den Cime de la Bonette betrifft, so müssen 1.587 Höhenmeter überwunden werden, um eine Höhe von 2.800 Metern zu erreichen.
Mit seinen 13,8 km bei einer durchschnittlichen Steigung von fast 8 % und seinem Gipfel auf 1.841 m bleibt Alpe d’Huez im Vergleich zu anderen Pässen etwas leichter zu bewältigen. Der erste Kilometer steigt dennoch um 10,4 % an. Seine Berühmtheit verdankt er daher eher seiner Geschichte als seinem Schwierigkeitsgrad.
1995 bewältigte der Italiener Marco Pantani die 21 Alpe d’Huez Kurven in 36 Minuten und 40 Sekunden. Zum Vergleich: 2026 benötigte Tadej Pogačar in neuer Rekordzeit für den Anstieg nur 35 Minuten und 26 Sekunden nach Alpe d'Huez.
Die Alpe d’Huez zieht nicht nur Profis an. Wenn die Straße geöffnet ist, befahren sie täglich durchschnittlich 300 Radtouristen. Jeden Juli versammelt das Radrennen „La Marmotte“ dort 6.000 bis 7.000 Teilnehmer. Für viele Radsportbegeisterte gleicht das Befahren dieser Serpentinen einer Pilgerfahrt.
Die Alpe ist auch ein Album voller eindrucksvoller Bilder. 1986 überquerten Bernard Hinault und Greg LeMond Hand in Hand mit einem deutlichen Vorsprung die Ziellinie. Bernard Hinault machte 1986 den Anfang aber die Franzosen haben auf ihrem berühmtesten Anstieg nicht oft geglänzt. In mehr als siebzig Jahren haben dort nur vier von ihnen den Sieg errungen.
Danach musste man bis 2011 warten, bis man den den Franzosen Pierre Rolland triumphieren sah, gefolgt von Christophe Riblon im Jahr 2013 und Thibaut Pinot im Jahr 2015. Seitdem gab es keinen französischen Sieg mehr.
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