Meeresschildkröten

 

 

Merkmale von Meeresschildkröten

 

Meeresschildkröten kommen in allen Ozeanen der Welt vor, mit Ausnahme des Arktischen Ozeans. Sie gehören zur Familie der Cheloniidae. Hinzu kommt die Lederschildkröte/Dermochelys coriacea, die einzige Vertreterin der Familie der Dermochelyidae. Die Lederschildkröte ist mit einer Länge von 1,60 m und einem Durchschnittsgewicht von 400 kg die größte der sieben Meeresschildkrötenarten und die größte aller Schildkröten.

 

Zu den Cheloniidae gehören die Grüne Meeresschildkröte/Chelonia mydas mit einem durchschnittlichen Panzerlänge von 115 cm und einem Gewicht zwischen 80 und 130 kg, die Unechte Karettschildkröte/Caretta caretta mit einer durchschnittlichen Panzerlänge von 90 cm und einem Gewicht von 135 kg. Der Rekord liegt bei 213 cm und 535 kg und die Echte Karettschildkröte/Eretmochelys imbricata, mit einer Panzerlänge zwischen 60 und 100 cm und einem Gewicht zwischen 43 und 75 kg.

 

Population 

 

Die Population der Meeresschildkröten ist sehr heterogen. Einige Arten sind Vegetarier, andere Fleischfresser. Die Grüne Meeresschildkröte ernährt sich im Erwachsenenalter hauptsächlich von Algen und Seegras, die Unechte Karettschildkröte frisst dank ihres kräftigen Kiefers Krebstiere, Fische und Weichtiere. Die Karettschildkröte ist ein Allesfresser und ernährt sich unter anderem von Schwämmen, Anemonen und Quallen.

 

Anatomie und Morphologie

Die Cheloniidae haben eine besondere Anatomie, die es ihnen ermöglicht, sich perfekt an das Leben im Meer anzupassen. Ihr Panzer ist starr, besteht jedoch aus mit Schuppen/Scutella bedeckten Knochenplatten. Die Lederschildkröte hingegen hat einen Panzer aus Bindegewebe.

Die Vorderbeine einer Schildkröte haben sich zu kräftigen, hydrodynamischen Flossen entwickelt, mit denen sie lange Strecken schwimmen kann. Die Hinterflossen dienen eher als Ruder. Sie tauchen über 1000 m tief, die, ohne Luft zu holen, bis zu 1h unter Wasser bleiben können.

Meeresschildkröten können ihren Kopf nicht wie Landschildkröten in ihren Panzer zurückziehen. Sie haben einen relativ kurzen Hals und je nach ihrer Ernährung mehr oder weniger kräftige Kiefer.

 

Wann sind Meeresschildkröten fortpflanzungsfähig?

 

Der Lebenszyklus von Meeresschildkröten ist noch nicht exakt bekannt. Tatsächlich ist es schwierig, sie außerhalb der Niststrände zu beobachten. Die meisten Informationen stammen bisher aus Beringungskampagnen für fortpflanzungsfähige Weibchen.

Meeresschildkröten sind je nach Art zwischen 15 und 30 Jahren alt, bis sie geschlechtsreif werden. Nur die Weibchen kehren in der Regel alle 2 bis 4 Jahre in ihr Fortpflanzungsgebiet zurück, obwohl auch schon ein Zeitraum von 9 Jahren zwischen zwei Eiablagezyklen beobachtet wurde. In diesem Gebiet paaren sie sich mit mehreren Männchen. Die Paarung findet im Meer, unweit der Niststrände, statt. Die Männchen verwenden ihre Krallen und Flossen, um sich während der Paarung an den Weibchen festzuhalten. Einige Wochen später kommen sie an einen Strand, um ein Nest zu graben und dort etwa 50 bis 170 Eier abzulegen.

 

Wann und wie oft legt eine Meeresschildkröte Eier?

 

Während eines Gelegezyklus kann ein Weibchen in regelmäßigen Abständen, je nach Art alle 10 bis 15 Tage, vier- bis achtmal an Land kommen, um Eier zu legen. Die Brutzeit variiert je nach Art und Region. Bei der Grünen Meeresschildkröte beispielsweise erstreckt sich die Fortpflanzungszeit in Äquatornähe über das ganze Jahr mit ausgeprägten Aktivitätsspitzen und in tropischen und subtropischen Gebieten nur über mehrere Monate.

Der Nestbau findet in der Regel nachts statt, um Raubtieren und hohen Temperaturen auszuweichen. Das Weibchen gräbt mit seinen Hinterflossen ein Loch in den Sand und legt dort zwischen 50 und 170 Eier ab, die anschließend sorgfältig mit Sand bedeckt werden. Wenn sich die Eier entwickeln - was jedoch mit vielen Schwierigkeiten verbunden sein kann-, bleiben sie zwischen 50 und 70 Tagen im Boden, bevor sie schlüpfen. Es ist bekannt, dass die Inkubationstemperatur das Geschlecht der Embryonen beeinflusst: Bei hohen Temperaturen entwickeln sich hauptsächlich Weibchen, während bei kühleren Temperaturen mehr Männchen entstehen.

 

Wanderung zur Fortpflanzung

 

Das Besondere an Meeresschildkröten sind zweifellos die Entfernungen, die diese Tiere zurücklegen können, um ihre Fortpflanzungsstätten zu erreichen. Ihr Nahrungsgebiet liegt oft sehr weit entfernt. Einige Arten können Tausende von Kilometern zurücklegen. Schildkröten sind majestätische Schwimmer und legen 3000 km zurück, mit einer Geschwindigkeit von 30 bis 50 km pro Tag, manchmal gegen die Strömung.

Die Wanderung wird durch hormonelle und umweltbedingte Veränderungen ausgelöst. Lange Zeit glaubte man, dass die Weibchen an den Strand zurückkehren, an dem sie geboren wurden, um dort ihre Eier abzulegen – ein Verhalten, das als Philopatrie bekannt ist. Dieses Verhalten wird durch einen ausgeprägten Orientierungssinn und ein geomagnetisches Gedächtnis gesteuert. Diese Treue zum Fortpflanzungsgebiet ist jedoch nicht so absolut, sondern variiert je nach Art und sogar je nach Individuum.

 

Fortpflanzungserfolg

 

Die Eier schlüpfen mehr oder weniger gleichzeitig. Die Babyschildkröten kämpfen darum, den Sand wegzuschieben und so den Boden allmählich anzuheben, bis sie die Oberfläche erreichen. Sie warten, bis die Temperatur unter 28 °C liegt, bevor sie herauskommen. Das ist oft nachts oder bei Regenwetter der Fall.

Sie machen sich auf den Weg zum Meer und schwimmen hektisch hinaus aufs offene Meer. Sie werden mit Spannung erwartet: Seevögel, Krabben, Fische, die am Strand entlang patrouillieren, usw. lauern auf diese reichhaltige und leicht zugängliche Nahrungsquelle. Die Überlebenden schwimmen mehrere Tage lang ohne Nahrung und verlassen sich auf die Reserven ihres Dottersacks. Schätzungen zufolge überlebt nur eines von 1000 Babys.

 

Die Anfänge des Lebens einer Schildkröte und was danach kommt...

 

Nachdem die Babys den Strand verlassen haben, beginnt eine Phase, über die weniger bekannt ist. Wissenschaftler stellen viele Vermutungen an. Sie glauben, dass die kleinen Schildkröten auf hoher See leben. Neugeborene Grüne Meeresschildkröten und Unechte Karettschildkröten wurden beobachtet, wie sie passiv auf schwimmenden Algen (Sargassum) trieben, die ihnen Nahrung liefern, wahrscheinlich zusätzlich zu Plankton.

Die erwachsenen Tiere kehren nach der Fortpflanzung zu ihren Futterplätzen zurück. Meeresschildkröten sind für ihre Langlebigkeit bekannt, die der unseren recht ähnlich ist. Die Lederschildkröte kann bis zu 50 Jahre alt werden, obwohl einige Studien darauf hindeuten, dass sie sogar noch älter werden kann. Die Grüne Meeresschildkröte kann zwischen 60 und 70 Jahre alt werden, manchmal sogar älter. Die Unechte Karettschildkröte wird oft zwischen 50 und 70 Jahre alt. Die Karettschildkröte kann 50 Jahre alt werden. Das ist jedoch weniger als die 120 Jahre, die beispielsweise die Riesenschildkröten der Galapagosinseln erreichen können, die Landschildkröten sind. Der größte Unterschied zum Menschen besteht darin, dass weibliche Schildkröten sich bis zum Ende ihres Lebens fortpflanzen können, während Frauen durch die Menopause eingeschränkt sind.

 

Leider sind Meeresschildkröten zahlreichen Bedrohungen ausgesetzt. Ihre Lebensräume verschwinden, die Meeresverschmutzung nimmt zu, der Klimawandel stört ihre Fortpflanzungszyklen und die illegale Jagd richtet weiterhin großen Schaden an. Der Schutz dieser Arten erfordert sowohl Maßnahmen zum Schutz der Niststrände als auch zur Verringerung der Plastikverschmutzung.

 

Der Lebenszyklus der Meeresschildkröten ist ein wichtiges Zeugnis für die Anpassung der Arten an die Herausforderungen ihrer Umwelt. Doch wie lange werden die Schildkröten angesichts der rasanten Veränderungen, denen sie heute ausgesetzt sind, noch überleben können?

 

Meeresschildkröten sind die ältesten noch lebenden Reptilien. Sie bevölkern seit 150 Millionen Jahren die Ozeane, haben die Dinosaurier erlebt und sich in all dieser Zeit kaum weiterentwickelt. Wird es in unserer heutigen Zeit zu ihrem Aussterben kommen?

 

Die Zukunft wird es zeigen. Aber heute ist der Trend eher pessimistisch.

 

Lederschildkröte,

die größte Meeresschildkröte

 

Die Lederschildkröte, die auf eine mehr als 100 Millionen Jahre lange Evolution zurückblicken kann, lebt in allen Ozeanen der Welt. Während sich die Weibchen zum Eierlegen an Land wagen, setzen die Männchen niemals einen Fuß an Land!

 

 

Steckbrief der Lederschildkröte

 

Dermochelys coriacea, auch Lederschildkröte genannt, gehört zur Klasse der Reptilien und zur Familie der Dermochelyidae, deren letztes Mitglied sie ist. Die Art umfasst weltweit sieben Unterpopulationen. Das Tier misst 150 bis 200 cm, entlang der Krümmung des Panzers und wiegt 400 bis 700 kg. Die Männchen unterscheiden sich von den Weibchen durch einen längeren Schwanz.

 

ein einzigartiger Panzer

 

Das Tier hat seinen Namen von der Form seines Panzers, der an eine Laute erinnert, ein Saiteninstrument, das einer großen, abgerundeten Guitarre ähnelt. Ihr etwa 4 cm dicker Panzer hat 7 Kämme/ gewellte Erhebungen in Längsrichtung und verlängert sich zu einem Sporn über dem Schwanz, der diesen schützt. Ihr leicht biegsamer Panzer ohne Schuppen ist durch eine Fettschicht vom Körper getrennt. Dieses faserige und fettige Bindegewebe besteht aus einem Mosaik sternförmiger Knochenplättchen (Osteoderme), die ineinander verschachtelt sind. Die Lederschildkröte kann ihren Kopf nicht in ihren Panzer zurückziehen, was sie gegenüber Raubtieren wie Haien verwundbar macht.

 

Eine Schildkröte mit harter Haut

 

Die glatte Haut der Lederschildkröte erinnert an Leder. Die Haut hat einen blau-schwarzen Farbton mit weißen, cremefarbenen oder rosafarbenen Flecken unterschiedlicher Größe und Form. Die Bauchseite/Plastron ist weißlich bis leicht rosa. Der massive Kopf mit einem scharfen, dreieckigen Schnabel hat auf seiner Oberseite einen rosafarbenen Fleck, der bei jedem Individuum einzigartig ist. Ihre langen Flossen (Schwimmflossen oder Ruder) haben keine Krallen, was für eine Meeresschildkröte ungewöhnlich ist. Zahlreiche Anpassungen, wie ein niedriger Stoffwechsel und die Fähigkeit, den Blutkreislauf zu regulieren, helfen ihr, kalte Gewässer zu ertragen. Dieses als Gigantothermie bezeichnete Phänomen ermöglicht es großen Tieren, ihre Körpertemperatur in ihrer Umgebung aufrechtzuerhalten.

 

Die Lederschildkröte, eine große Reisende

 

Die Lederschildkröte kommt in allen Ozeanen der Welt vor, in Breitengraden über 60° nördlich, d. h. bis zum Polarkreis. Sie hält sich in tropischen, gemäßigten und borealen Gewässern auf, d. h. in den nördlichsten Teilen des Atlantik, Pazifik und Indischen Ozean. Das Reptil kommt auch im Roten Meer, im Mittelmeer und in der Nordsee vor. Diese große Wanderin kann mehrere Tausend Kilometer zurücklegen, um in tropischen Gewässern zu nisten und sich in kälteren Gewässern zu ernähren, wo es mehr Nahrung gibt. Das Weibchen kommt nur an Land, um seine Eier im Sandabzulegen. Die größten Nistgebiete befinden sich in der Karibik und an der Westküste Afrikas sowie in geringerem Maße an den Stränden der Ost- und Westküste des Pazifiks.

 

Leichte Beute für die Lederschildkröte

 

Die Lederschildkröte ernährt sich fast ausschließlich von Quallen, die sie in Tiefen von über 1000 m findet. Zur Ergänzung ihres Speiseplans frisst sie manchmal verschiedene Fischarten wie Salpen, Weichtiere, Tintenfische, Krebstiere, Seeigel oder Schwämme. Gelegentlich verschmäht sie es nicht, Pflanzen wie Algen und Seegras zu fressen. Da sie keine Zähne hat, zerreißt sie ihre Beute mit ihrem scharfen Schnabel. Sie wählt zarte Beute, da sie keine Panzer und andere harte Teile zerkauen kann. Während der Jagd kann das Reptil bis zu 200 Liter Wasser aufnehmen. Die beträchtliche Menge an Meersalz, die es dabei zu sich nimmt, wäre gefährlich, wenn das Tier sie nicht wieder ausscheiden könnte. Die Natur hat jedoch dafür gesorgt, dass die Lederschildkröte über Tränendrüsen verfügt, die es ihr ermöglichen, überschüssiges Meersalz über die Augen auszuscheiden.

 

Das Sandnest der Lederschildkröte

 

Da die Art eher einsam ist, bilden sich Paare nur zur Paarung im Meer. Kurz vor der Paarungszeit wandern die Männchen zu den Fortpflanzungsstätten vor der Küste und paaren sich mit mehreren Partnerinnen. Nach dem Geschlechtsakt macht sich das Weibchen sofort auf die Suche nach einem Ort zum Nisten. Bei den großen Versammlungen zum Eierlegen an Land ignorieren sich die Weibchen gegenseitig völlig, aber wenn eine zufällig auf dem Weg mit einer anderen zusammenstößt, folgt sofort ein heftiger Schlag mit der Flosse. Am Strand gräbt die zukünftige Mutter ein etwa 80 cm tiefes Nest, das aus einer Grube und einer Kammer zum Ausbrüten besteht.

 

Nächtliches Schlüpfen der Lederschildkröte

 

In ihrem Sandnest legt das Weibchen 60 bis 150 Eier, die sich in der Brutkammer und im unteren Teil des Schachtsansammeln. Nach dem Legen bedeckt sie das Loch und fegt den Nistplatz mit ihren großen Pfoten, indem sie sich auf ihrem Körper dreht. Das Ritual dient dazu, einen großen Kreis mit einem Durchmesser von 3 m aus aufgewühltem Sand zu zeichnen, der die genaue Lage des Nestes unsichtbar macht. Sobald ihre Aufgabe erfüllt ist, verlässt die Mutter ihre Nachkommen, um zum Meer zurückzukehren. Bei der Lederschildkröte wird das Geschlecht der Babys durch die Temperatur des Eies bestimmt: ein Männchen unter etwa 29 °C und ein Weibchen über 30 °C. Das Schlüpfen – oft nachts – erfolgt etwa zwei Monate nach der Eiablage. Sobald sie geboren sind, bewegen sich die Babys instinktiv auf das Glitzern des Meeres zu, um ihr Leben zu beginnen.

 

Die stark bedrohte Lederschildkröte

 

Als erwachsenes Tier hat die Lederschildkröte nur wenige natürliche Feinde. Vor allem wenn die Jungtiere das Nest verlassen, um zum Meer zu gelangen, sind sie am anfälligsten für Vögel, Kaimane, Krabben und fleischfressende Säugetiere. Sobald sie im Wasser sind, werden die Jungtiere unter anderem zur Beute von Tintenfischen und Haien. Die Hauptursache für den Rückgang dieser Reptilienart ist der Mensch: Tod durch Ertrinken in Kiemennetzen, Wasserverschmutzung (Verschlucken von Plastik, Kohlenwasserstoffen), Zerstörung der Küsten (Nistplätze) oder auch das Sammeln der Eier durch die Einheimischen. Was ihre weltweite Verbreitung angeht, wird die Lederschildkröte auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) als gefährdet eingestuft, aber auf lokaler Ebene (z. B. im Pazifik) gelten bestimmte Populationen als vom Aussterben bedroht. Die Lederschildkröte, deren weltweite Population auf 100.000 Exemplare geschätzt wird, kann über 50 Jahre alt werden. 

 

Druckversion | Sitemap
© Drohnenaufnahmen by Jan Hendrik Reimann und Fotos by Bernd Reimann 2026. Verbreitung und Vervielfältigung nur mit Genehmigung möglich. Distribution et duplication uniquement avec autorisation.